Außergewöhnliche Belastungen

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Außergewöhnliche Belastungen

Außergewöhnliche Belastungen laut EStG sind sogenannte zwangsläufige Aufwendungen, die höher sind als bei der überwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverhältnisse, gleicher Vermögensverhältnisse und gleichen Familienstands. Aufwendungen sind zwangsläufig, wenn man sich ihnen aus rechtlichen, tatsächlichen oder sittlichen Gründen nicht entziehen kann und soweit die Aufwendungen den Umständen nach notwendig sind und einen angemessenen Betrag nicht übersteigen. Aufwendungen, die zu den Betriebsausgaben, Werbungskosten oder Sonderausgaben gehören, bleiben dabei außer Betracht. Der Rechner bestimmt anhand Ihrer Angaben auch Ihre sogenannte "zumutbare Belastung". Der Teil der außerordentlichen Aufwendungen, der die zumutbare Belastung übersteigt ist absetzbar.

Beispiele für außergewöhnliche Belastungen

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen z.B. Krankheitskosten (Eigenanteil für Zahnersatz, Zahnkronen oder Zahnfüllungen, Medikamente, Praxisgebühren, Haussanierung aus Gesundheitsgründen, Laserbehandlung der Augen, etc.) , Beerdigungskosten, sofern sie über die Höhe der Erbschaft hinausgehen sowie Pflegekosten bzw. Pflegeheimkosten für die Eltern. Für alle Beispiele gilt, dass Sie nur geltend gemacht werden können, soweit sie nicht z.B durch Leistungen einer gesetzlichen oder privaten Pflege- bzw. Krankenversicherung gedeckt sind.

Zumutbare Belastungen

Bevor außergewöhnliche Belastungen von der Steuer abgesetzt werden können, müssen sie die sogenannte zumutbare Belastung überschreiten. Der die zumutbare Belastung übersteigende Teil der außergewöhnlichen Belastungen kann von der Steuer abgesetzt werden. Die zumutbare Belastung ist also als Eigenanteil für die außergewöhnlichen Belastungen zu verstehen.

Verheiratete ohne Kinder haben eine etwas geringere zumutbare Belastung als kinderlose Singles. Bei Eltern mit Kindern sind die Sätze der zumutbaren Belastung für Ledige und Verheiratete gleich hoch. Das Gesetz unterscheidet hier nur zwischen Steuerzahlern mit bis zu zwei Kindern und ab drei Kindern, wobei die letzte Gruppe die geringsten Sätze der zumutbaren Belastung hat. Sie bekommt also die höchsten Beträge der außergewöhnlichen Belastung anerkannt.

Familien­stand Jahreseinkünfte in Euro
bis 15.340 bis 51.130 über 51.130
Ledige ohne Kind 5 % 6 % 7 %
Verheiratete ohne Kind 4 % 5 % 6 %
mit 1 oder 2 Kindern 2 % 3 % 4 %
mit mehr als 2 Kindern 1 % 1 % 2 %

Beispiel für die Berechnung

Die Summe Ihrer Einkünfte beträgt im Jahr 2016 30.000 € bei einem Kirchensteuersatz von 9%. Sie haben ein Kind und sind mit Ihrer Frau gemeinsam veranlagt. Für eine aufwändige Laserbehandlung Ihrer Augen hatten Sie außergewöhnliche Belastungen in Höhe von 3.000 €.

Daraus ergibt sich, dass Sie 2.100 € der außergewöhnlichen Belastungen steuerlich mindernd geltend machen können, denn Ihre zumutbare Belastung beträgt 3% Ihres Einkommens, also 900 €. Der darüber hinausgehende Anteil Ihrer Belastungen kann also abgesetzt werden, was zu einer Steuerersparnis von 583,95 € führt.

Tipp

Versuchen Sie, mehrere außergewöhnliche Belastungen in ein Steuerjahr zu legen, damit deren Summe die zumutbare Belastung möglichst weit überschreitet. Denn die Differenz zur zumutbaren Belastung können Sie steuerlich geltend machen.

Wann ist eine Belastung außergewöhnlich?

Die Außergewöhnlichkeit einer Belastung zeigt sich dann, wenn diese nur eine Minderheit der Bevölkerung betrifft. Wer etwa im Winter eine warme Jacke benötigt, unterscheidet sich damit nicht von der Mehrheit der Steuerzahler, kann also keine außergewöhnliche Belastung vorweisen. Anders sieht es unter Umständen bei einem Gehbehinderten aus, der je nach Witterung die öffentlichen Verkehrsmittel nicht nutzen kann. Für diesen sind eventuell auch Taxifahrten als Sonderausgabe absetzbar. Auch der Tod eines nahen Angehörigen wird als außergewöhnliche Belastung anerkannt. Die Bestattungskosten können daher abgesetzt werden.

Müssen die Kosten zwangsläufig bzw. unumgänglich sein?

Ja. Die für die außergewöhnliche Situation entstehenden Ausgaben müssen zwangsläufig auf den Steuerzahler zukommen. Es müssen anerkannte Gründe vorliegen, aus denen die Ausgaben nicht umgangen werden können. So ist ein Vater, der von seinen Kindern getrennt lebt, beispielsweise rechtlich zu Unterhaltszahlungen verpflichtet. Da er sich von den Ausgaben nicht befreien kann, werden die Beträge in seiner Steuererklärung als Sonderausgaben anerkannt. Aber auch sittliche Gründe können ausschlaggebend sein. Wenn ein Mann zum Beispiel seine pflegebedürftige Frau zu Hause pflegt, statt den möglicherweise günstigeren Weg eines Pflegeheims zu akzeptieren, kann er die finanzielle Belastung, die sich hieraus ergibt, von der Steuer absetzen. Von den gesamten Pflegekosten müssen jedoch Zahlungen der Versicherung und eine Eigenleistung abgezogen werden. Nur, was das Paar selbst finanziell aufbringen muss, gilt als entsprechende Sonderausgabe.

Muss dis Mehrbelastung nachgewiesen werden?

Ja. Der Steuerzahler muss nachweisen, dass die außergewöhnliche Situation tatsächlich zu einer Belastung führt. Wenn zum Beispiel die besonderen Lebensmittel, die ein Allergiker zu sich nehmen muss, nicht mehr kosten als eine normale, gesunde Ernährung, sind seine außergewöhnlichen Bedürfnisse nicht steuerlich relevant.

Gehören Ausbildungskosten der Kinder zu den außergewöhnlichen Belastungen?

Ja. Im Steuerrecht sind gewisse belastende Situationen bereits anerkannt und unter §33a EStG “Außergewöhnliche Belastung in besonderen Fällen” geregelt. Daher unterliegen Sie etwas anderen Steuerberechnungen sowie anderen Freibeträgen als die “normalen ” außergewöhnlichen Belastungen. Sie lassen sich dann meist mit einem formlosen Antrag im Rahmen der Steuererklärung durchsetzen. Dazu gehören zum Beispiel die Kosten für ein Erststudium der Kinder oder die Ausbildungskosten. Bei den Kosten einer Ausbildung ist zwischen bezahlten und unbezahlten Ausbildungsmodellen zu unterscheiden. Im ersten Fall werden die Kosten als Werbungskosten vom Einkommen des Auszubildenden abgezogen. Wenn die Eltern weiterhin finanziell für das Kind verantwortlich bleiben müssen, gehen die Kosten der Ausbildung als außergewöhnliche Belastung in die Steuererklärung der Eltern ein.

Gehören Krankheitskosten zu den außergewöhnlichen Belastungen?

Auch die meisten Krankheitsbilder sind steuerlich sehr gut erfasst. Es gibt unzählige Regelungen, bei welchen Krankheiten oder Behinderungen welche Aufwendungen anerkannt werden und welche nicht. Wenn sich Mehrbelastungen durch ungewöhnliche Kombinationen verschiedener Krankheitsbilder ergeben, sollte im Zweifelsfall immer ein Antrag gestellt werden. Wichtig für die Anerkennung ist in jedem Fall eine gute Dokumentation des gesundheitlichen Zustandes. Behinderungen sollten also entsprechend eingestuft und im Behindertenausweis vermerkt werden, damit die entsprechenden Steuererleichterungen auch in Anspruch genommen werden können. Mit der entsprechenden Dokumentation einer Lungenerkrankung kann dann beispielsweise auch der Umzug in eine vorteilhafte Klimaregion als Sonderausgabe anerkannt werden.

Sind Belastungen, die dem Schutz der Gesundheit dienen, außergewöhnlich?

Im Einzelfall ja. Auch Ausgaben, die zum Schutz der Gesundheit getätigt werden, können im Einzelfall anerkannt werden. Wenn zum Beispiel in einem alten Gebäude entdeckt wird, dass die Heizkörper, das Dach oder die Wände Asbest enthalten, gelten die Renovierungsarbeiten als außergewöhnliche Belastung. Da ein Antrag nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden ist, kann im Grunde jederzeit versucht werden, eine entsprechende Anerkennung zu erhalten. Wer der Meinung ist, zu einer Ausgabe, die für ihn keinen Mehrwert darstellt, gezwungen zu sein, kann den Betrag, der die zumutbare Eigenleistung übersteigt, jederzeit in der Steuererklärung angeben und so die Belastung zumindest um den jeweiligen Steuersatz zu reduzieren. Falls der Antrag nicht anerkannt wird, ergeben sich daraus für den Steuerzahler keine Nachteile.

Was ist die zumutbare Eigenbelastung?

Abhängig von der Anzahl Ihrer Kinder, und – falls Sie keine Kinder haben – auch abhängig von Ihrem Familienstand wird nach §33 Abs. 3 EStG Ihre sogenannte zumutbare Belastung in Prozent Ihres Einkommens bestimmt. Der Teil der außergewöhnlichen Aufwendungen, der die zumutbare Belastung übersteigt, ist absetzbar. Die zumutbare Belastung kann also als Eigenanteil für die außergewöhnlichen Belastungen betrachtet werden.

Wie berechnet sich die zumutbare Eigenbelastung?

Eine zumutbare Eigenbelastung errechnet sich aus dem Einkommen eines Haushaltes und der Anzahl der Personen, die von diesem Einkommen leben müssen. Je nach den Familienverhältnissen müssen die Mehrkosten ein bis sieben Prozent des Jahreseinkommens ausmachen, bevor eine Anerkennung des Finanzamtes erfolgen kann. Absetzbar sind immer nur die über diese Eigenbelastung hinausgehenden Ausgaben.

Wieviel kann man absetzen? Gibt es eine Höchstgrenze?

Nein. Der über die zumutbare Eigenbelastung hinausgehende Betrag an außergewöhnlichen Belastungen kann voll von der Steuer abgesetzt werden. Das heißt, dass dieser Betrag rechnerisch von Ihrem Gesamteinkommen abgezogen wird und dann nur das verbleibende Einkommen versteuert werden muss.

Macht es Sinn, möglichst viele außergewöhnliche Belastungen in einem Jahr geltend zu machen?

Ja. Denn erst, sobald die Summe der außergewöhnlichen Belastungen Ihre vom Einkommen abhängige zumutbare Eigenbelastung übersteigt, können die darüber hinausgehenden außergewöhnlichen Kosten steuermindernd geltend gemacht werden.

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